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Garten-Newsletter September 1

Ist der September lind,
ist der Winter ein Kind.

Nun ist Erntemonat, für den Gärtner wohl die schönsten Zeiten des Jahres. Die Gartenbeete quellen über mit Früchten. Die Bäume hängen schwer mit reifem Obst. Gärtner und Bäuerinnen haben alle Hände voll zu tun: Fallobst wird zu Süßmost gepresst, Mus gekocht und eingemacht, Birnen- und Apfelschnitze getrocknet, Nüsse von den Bäumen geschüttelt. Weißkohl wird nun zu Sauerkraut – eine wichtige Vitamin C Quelle im Winter – gestampft. Bohnen müssen ebenfalls geerntet, gedörrt oder eingemacht werden, ehe der Frost sie erwischt und vernichtet.

Was geerntet wird, hat nicht mehr die Feuerkraft in sich, die von einer Heilpflanze verlangt wird. Tatsächlich benötigen die Kräuter Hitze und Lichtfülle um die ätherische Öle und andere hochwirksame Molekularverbindungen auszubilden. Im Laufe des Monats werden die Holunderbeeren gepflückt und eine kräftige Holundersuppe gekocht. Die tiefpurpurne Suppe war einst die herbstliche Kultspeise, die den Körper auf die kalte dunkle Jahreszeit vorbereitet – sie hat tatsächlich eine immunstimulierende, antivirale Wirkung. Die Suppe ist das Gegenstück zur grünen Kräutersuppe im Frühling, deren Aufgabe es ist, den Organismus mit den Wachstumskräften den neuen Jahres zu verbinden. September ist auch der „Sämonat“, denn nun muss das Wintergetreide ins Acker. „Auf St. Michael beende die Saat, sonst wird es reichlich spat.“ Der Bauernphilosoph Arthur Hermes säte sein Brotgetreide von Hand.

Ein weiterer Name für den September ist „Scheiding“, denn nun scheiden Sommer und Sonne. Bald fliegen die Schwalben fort und auf den abgeweideten Wiesen erscheinen die blass-lila leuchtenden, elfenhaften Herbstzeitlosen. Zwar ist es, dank der spätsommerlichen Hochdrucklage, im September noch recht warm und sonnig, aber unweigerlich kommen die Nachtfröste näher. Der erste Frost, der in England noch als Eisriese („Jack Frost“) personifiziert wird und der die Bohnen, Tomaten, Gurken und andere empfindliche Pflanzen verdirbt, findet bei den Gärtnern und Bauern viel Beachtung. Gegen Ende des Monats fängt der „Altweibersommer“ oder „Michaeli-Sommer“ an. Nun kämpft Michael mit seiner himmlischen Heerschar gegen die anstürmenden Mächte des Dunklen. Die Arbeit im Freien hört allmählich auf und die häusliche Arbeit beginnt „Michel zündt’s Licht an, das Gesind’ muss zum Spinnen ran“.

Was man jetzt tun kann:

  • Als Gründüngung können stickstoffsammelnde Leguminosen, wie Klee, Wicke oder Erbsen, in die leeren Beete ausgesät werden. Auch Senf, Hafer, Roggen oder Büschelschön (Phacelia), deren viele faserigen Wurzeln den Boden auflockern, eignen sich als Gründüngung. Die Saat, die dann im Winter erfriert, mulcht und ernährt den Boden. (Wie das geht erfahrt ihr in diesem Video.)

  • In leeren oder abgeernteten Beeten können folgende Saaten noch gesät werden: Spinat, Feldsalat (Nüssler), Schwarzwurzeln (für das nächste Jahr), Kresse, die allerletzten Radischen, Petersilie und Winterportulak (Claytonia perfoliata).

  • Nur an trockenen Tagen soll das Obst geerntet werden. Der Haltbarkeit wegen soll es  vorsichtig behandelt, nicht gestoßen oder gedrückt werden. Es lohnt sich die Äpfel noch einige Tage auf dem Rasen „nachreifen“ zu lassen, ehe man sie in ihre Kisten packt. Auf diese Weise bildet sich die schützende Wachsschicht besser aus.Rhabarberstöcke werden geteilt und gedüngt.

  • Rhabarberstöcke werden geteilt und gedüngt.

  • Die Wurzeln des Brüssler Chicorée werden geerntet und kühl im Keller gelagert, ehe sie in Treibboxen kommen.

  • Tomaten werden mit Plastik bedeckt. Um sie etwas weniger frostempfindlich zu machen und gegen Mehltau zu schützen, kann man sie mit stark verdünnten Baldriansaft besprühen.

  • Knoblauchzehen können nun gesteckt werden.

  • Im Ziergarten und im Rasen können die Zwiebeln für die Frühjahrsblüher gesteckt werden: Hyazinthen, Tulpen, Narzissen, Krokusse usw.

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